Sozialraumstudie: Soziale Stadt, Ingolstadt, Bayern

Veröffentlicht in Wirtschafts- und sozialräumliche Analysen

 

In den letzten Jahren haben sich die Wohn- und Lebensbedingungen in den Städten verändert. Immer häufiger zeigen sich in bestimmten Wohnquartieren soziale Probleme, bedingt durch Arbeits- und Perspektivlosigkeit, insbesondere unter den Jugendlichen, durch Schwierigkeiten im nachbarschaftlichen Zusammenleben, nicht selten in Verbindung mit Mängeln der Wohnungs- und Wohn­umfeldqualität. Andererseits gibt es in diesen Stadtteilen oft auch eine große Solidarität innerhalb der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, aktive Selbsthilfegruppen, die versuchen, ihr Anliegen voranzubringen und auch engagierte Unternehmen, die sich für den Stadtteil und seine Bewohner einsetzen. Im Rah­men des Bund-Länder-Programms "Soziale Stadt" soll anhand von konkreten Maßnahmen die Situation in Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf verbessert werden: durch Ausbildungs- und Beschäftigungsförderung, die Qualifizierung von Jugendlichen, Verbesserung der sozialen Infrastruktur und weitere Maßnahmen im Bereich der Familien- und Jugendpolitik.

Im Rahmen der vorliegenden Erhebung wurde eine quantitative und qualitative Bestands­aufnahme im Handlungsfeld Wirtschaft, Arbeit und Bildung durchgeführt. Zielgebiet war das Ingolstädter Nordwest-Viertel in den im Programm „Soziale Stadt" ausgewiesenen Gren­zen bzw. Unterbezirken Herschelstrasse, Piusviertel und Richard-Strauß-Strasse. Fallweise wurden angrenzende Teilräume in Fragestellungen einbezogen.

Im Rahmen der Recherche wurden folgende Verfahren eingesetzt:

Aufbereitung und Auswertung und von Primär- und Sekundärdaten in den Bereichen Wirtschaft, Wohn- und Erwerbsbevölkerung, Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Hilfeempfänger, Maßnahmen und Teilnehmer der beruflichen Bildung sowie schulischen Bildung.

Im Bereich Wirtschaft wurde eine schriftliche Befragung im Zielgebiet ansässiger Betriebe und Selbständiger durchgeführt. Zu ergänzenden Fragestellungen der wirtschaftsräumlichen Funktionalität wurden fallweise auch Betriebe aus unmittelbar angrenzenden Teilräumen einbezogen. Sowohl das Anschreiben als auch der Fragebogen wurden in enger Kooperation mit der Stadt Ingolstadt entwickelt. Die Befragung selbst erfolgte in zwei Stufen; d.h. nach dem ersten Rücklauf wurden die Betriebe nochmals angeschrieben wurde, um eine möglichst hohe Rücklaufquote zu erzielen.

Parallel hierzu wurden ausgewählte Experten aus den Bereichen Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Beschäftigung, berufliche und allgemeine Bildung mündlich befragt. Dabei wurden auch Personen aus hiermit in Zusammenhang stehenden sozialen Bereichen einbezogen. Bezüglich der generellen Entwicklungsperspektiven im Ziel­gebiet sowie zu Netzwerkpotentialen wurden darüber hinaus Personen be­fragt, von denen angenommen werden musste, dass sie als Inhaber zentraler Positionen im lokalen Netzwerk in der Lage sind, Wissen aus unterschiedlichen Bereichen zu bündeln.

Die Untersuchungen zum Bereich Arbeitsmarkt und Beschäftigung umfassten die sekundäranalytische Auswertung von verfügbaren Arbeitsamtsstatistiken sowie vom Amt für Statistik und Stadtentwicklung der Stadt Ingolstadt zur Verfügung gestellten Roh- und Aggregatdaten. Zusätzliche, kleinräumliche Daten wurden mit Unterstützung der obersten Baubehörde direkt als auch im Rahmen der Vertragslieferungen das Amt für Statistik und Stadtentwicklung der Stadt Ingolstadt bei der Bundesanstalt für Arbeit angefordert. Zur Ermittlung des Arbeits- und Ausbildungsplatzangebotes im Zielgebiet wurde darüber hinaus auf die Ergebnisse der schriftlichen Befragung im Bereich Wirtschaft zurückgegriffen. Wie dort, so wurden auch im Bereich Arbeitsmarkt und Beschäftigung Experten gebeten, zu ausgewählten Problembereichen und möglichen Maßnahmen mündlich Stellung zu nehmen.

Im Rahmen der Ermittlungen zum Sachstand im Bereich der schulischen Bildung wurden zum einen Daten des städtischen Schulamtes ausgewertet, zum anderen führten wir Gespräche mit den Schulleitungen sowie den Verantwortlichen der Schulsozialarbeit. Daten zur beruflichen Bildung wurden erhoben bei den Berufsschulen I und II, freien Trägern der beruflichen Bildung, dem Jugendamt der Stadt Ingolstadt sowie dem Arbeitsamt Ingolstadt. Wie auch in den anderen Bereichen wurden hierbei primär-, sekundärstatistische Datenanalysen mit leitfadenorientierten Experteninterviews kombiniert.

Im Rahmen eines Folgeauftrags wurde eine Sozialraumanalyse für ausgewählte Zielgruppen im Zielgebiet erstellt, insbesondere ältere Menschen, die ausländische Bevölkerung sowie deutschen Spätaussiedler. Darüber hinaus war die Problematik der Alleinerziehenden zu thematisieren. Basierend auf den Befunden der vorbereitenden Untersuchungen waren, orientiert an den Programmleitlinien der „Sozialen Stadt", zielgruppenorientiert Maßnahmen auszuarbeiten.